Diese Idee beschäftigt sich mit einem Dilemma der analog niedergeschriebenen Schrift. Beim Beschreiten eines Gedankenganges zwingt uns die Sprachstruktur oftmals, nicht all zu sehr auszuschweifen, um auf dem angepeilten Weg zu bleiben. Doch sind Gedanken nicht so linear wie unsere Schrift, wir haben Gründe, warum wir zu einem bestimmten Ergebnis kommen. Man könnte sagen, dass unsere Gedankengänge seitliche Äste haben, die begründen, warum wir den eingeschlagenen Weg beschreiten. Würde man all diese Gründe in einem Text unterbringen, würde er unnötig wachsen und in gewisser Weise vom „Kern-Thema“ abweichen. Das Problem wurde teilweise bereits in der analogen Welt erkannt, indem man den Vermerk erfand, das *-Zeichen. Heute, da wir vermehrt in einer digitalen Welt leben, zählen die Restriktionen von damals nicht mehr, es gibt keinen Grund, warum ein Vermerk am Ende eines Textes stehen sollte und warum man sich dabei derart kurz zu fassen hat.



Hier mein Vorschlag:

Ein neues Schriftzeichen muss her, ein interaktives (für diesen Blogbeitrag schreibe ich einfach mal *²). Beim Lesen eines Textes könnte man dann wahlweise auf das „Vermerk-Zeichen“ klicken, worauf der bisherige Text weitestgehend durch eine Textbox überlagert werden würde. Wie groß das Zeichen/die Textbox sein sollte, das Erscheinungsbild, die Bedienung, die Bedienelemente usw., dass sind Fragen, die man noch ausdiskutieren/-denken müsste. Wichtig wäre allerdings, dass man einen internationalen Standard (W3C) definiert, damit ein problemloses Arbeiten auf allen Geräten und Plattformen mit *² gewährleistet werden kann. Auch sollte über die Einbindung anderer Medien nachgedacht werden (Audio, Bild, Video).


Den Unterschied von einer solchen „Textbox“ zu einem herkömmlichen Link würde ich wie folgt beschreiben: Sternchen hoch zwei ist für längere Ausführungen, die es nicht wert sind, dass man eine Extraseite für sie erstellt. Dabei ist *² auch inhaltlich anders, da ein Link meist auf fremde Inhalte/auf ganze Seiten verweist. Wohingegen *² hauptsächlich auf eigene Inhalte verweisen und diese wahlweise (liegt am Autor) so darbietet, dass sie sich nahtlos in den Ursprungstext einfügen. Dies ermöglicht Texte, die kurz und zugleich sehr informell sein können, je nachdem wie man den Text liest.



1. Anwendungsbeispiele:

Beim Niederschreiben dieser Idee erwähnte ich, dass man ein neues Zeichen für den digitalen Vermerk erstellen sollte. Hinter dem letzten Punkt wäre z.B. ein guter Platz für einen solchen Vermerk. Dieser könnte so aussehen: „Das neue Zeichen sollte sich harmonisch in das Schriftbild einfügen…. Es sollte einen hohen Wiedererkennungswert haben… Farblich hervorgehoben werden, ähnlich wie ein Link, nur in einer anderen Farbe…. blablabla“. Die Informationen die in dem Vermerk stehen würden, wären nur für den interessierten Leser von Bedeutung. Menschen, die den Text überfliegen, würden nicht „unnötig“ mit Details belästigt. Das *² wäre in gewisser Weise ein Stilmittel, dass genauso wie alle anderen Stilmittel, wenn richtig dosiert, bereichernd wirkt.



2. Anwendungsbeispiele:

Ein weiteres gutes Anwendungsbeispiel dürften eBooks sein. Wer sagt uns denn, dass digitale Bücher aussehen müssen wie analoge Bücher? Wäre es nicht schön ein Buch zu haben, das nach persönlichem Gusto zeigt, was uns interessiert? Dafür könnte man Textboxen z.B mit Tags versehen. Bevor man anfängt ein eBuch zu lesen, würde man dann im „Inhaltsverzeichnis“ Haken an den Themen setzen/entfernen, die einen interessieren oder eben nicht. Dadurch würden bestimmte Textpassagen von Anfang an, ein- oder ausgeblendet. Meine Eltern stehen z.B. total auf Informationen zur Umgebung/Kultur (wie viele andere Menschen auch), mir kommen sie aber meist total überflüssig vor (die Infos :P), da ich mich nicht so sehr dafür interessiere. *² könnte ein Weg darstellen, die Bücher etwas mehr an die verschiedenen Menschen anzupassen. Auch wenn es bestimmte Grenzen hätten, würde es die Möglichkeiten eines herkömmlichen Buches bei weitem in den Schatten stellen. So könnte man z.B in Lernbüchern die Informationsmenge an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was einen großen Gewinn darstellen dürfte.



3. Anwendungsbeispiele:

Online-Zeitungen könnten *² dazu nutzen, ihre Texte kurz zu halten und gleichzeitig tiefgehendere Informationen bereitstellen. Ein Autor, der z.B. vergangene Geschehnisse zusammen fasst, könnte diese mittels *² auslagern, so dass der informierte Leser gleich von Beginn an nur Neuheiten liest (hier ist natürlich Augenmaß gefragt!). Oder wenn ein Artikel auf eine Umfrage eingeht, könnte man mit einem *²-Feld angeben, wer diese Umfrage in Auftrag gegeben hat, wie die Fragestellung genau lautete, wer befragt wurde usw…


Ansatzweise erfüllen Infoboxen diese Aufgabe schon, doch würde *² in vielen Fällen mehr Sinn machen, da *² den Autor nicht so sehr nötigt, die Informationen stark komprimiert darzustellen.



Ideen zur Navigation und Darstellung:

Am liebsten ist mir immer, wenn der User möglichst viel selbst bestimmen kann und die Darstellung schlicht ist. Es sollte möglich sein, verschiedene Layouts zu wählen und eigene zu erstellen. Mir schwebt eins vor, das keine Knöpfe hat und sich mit einem stufenlosen, durchsichtigen Übergang in den Text einfügt (als Übergang für den Rand). Die Textbox würde ich in ein Verhältnis zur Höhe und Breite des sichtbaren Textes setzen (z.B. 20% kürzer als der Ursprungstext – horizontal, 40% vertikal). Falls die Größe der Box nicht ausreichend ist, kann man mit der Maus den Text „greifen“ und nach unten/oben ziehen (wahlweise auch Mausrad/Pfeiltasten). Je nachdem wie feste/schnell man dies macht, bewegt sich der Text in dem Feld auf/ab. Man sollte die Box durch ein Doppelklick schließen können (irgendwohin, nur nicht auf einen Link = Gewährleistung von leichter Bedienbarkeit durch PC & Handy). Ich bin ein Freund von ästhetischen Anwendungen, die einen nicht an Windows 95 erinnern, trotzdem sollte es möglich sein, einen Scrollbalken und weitere Knöpfe wahlweise einzubinden.



Zusammenfassung:

Die drei Beispiele zeigen bereits interessante Möglichkeiten auf, wie man mit Hilfe von *², Informationen auf digitalem Papier besser strukturieren könnte. Die Tragweite der Idee ist auf den ersten Blick nicht recht sichtbar, doch mit ein wenig Phantasie erkennt man die Möglichkeiten (liegt an unserer bisherigen „Denkgewohnheiten“). Weitere Ideen und Ausbaumöglichkeiten sollten sich mit mit der Zeit von selbst ergeben. *² hat das Potenzial, das digitale Papier, und damit den Schreibstil, in Zukunft prägend zu beeinflussen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Vermerken ist *² nicht nur eine Ergänzung, sondern kann auch eine Vertiefung des Inhaltes in passender Form darstellen. Die digitale Technologie ist ziemlich jung. Wir haben noch gar nicht richtig angefangen zu begreifen, was damit alles möglich ist und welche Grenzen dadurch nichtig werden.



PDF: Stern Hoch Zwei – Ein Digitales Upgrade


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